IT'S ONLY A GAME

HITS and MISSES from the crazy world of
BRITISH FOOTBALL

Die niveauvollste Fußball-CD im WM-Jahr 2006, die die Verbindung von
Popkultur und Fußballsport, sowie das britische Fußball-Fantum
in seiner exzentrischen Selbstverständlichkeit zeigt.

Hits & Misses from the Crazy World of British Football

Fußball & Musik – eine über die Jahre erstaunlich produktive Verbindung. Ob Fangesänge, singende Athleten, Vereins- und Turnier-Hymnen oder Pop zum Thema – unter einer Menge nicht weiter erwähnenswertem Trash gilt es, die eine oder andere faszinierende Ausnahme ans Licht zu befördern. Und wo fängt man praktischerweise damit an? Natürlich im UK, wo bekanntermaßen die Mutterschaft für sowohl Popmusik als auch Fußball reklamiert wird. Beides werden nur die Wenigsten bestreiten. Hin und wieder können kontinentale Mitbewerber die Brit-Pioniere schon mal überraschen, dann wackelt das Empire, aber es fällt nicht.
Bis uns die an der Quelle agierenden Archiv-Profis von FC45.de mit der ultimativen Best-of-Germany womöglich eines Besseren belehren, stellen wir die These auf: musikalisch haben die Tommies immer noch klar die Nase vorn. Als Indiz die vorliegende kleine Sammlung von Volltreffern und charmanten Fehlschüssen von der Insel. Anpfiff!

It’s only a game – nur ein Spiel das Ganze, aber wie schwer tun sich die Deutschen allein mit dem dritten Tor von Geoff Hurst in Wembley 1966 – immer noch, obwohl die Engländer ja letztendlich 4:2 gewonnen, also noch ein weiteres Tor geschossen haben. Auf dem Weg zu diesem meistdiskutierten Goal ever wurden die britischen Zuschauer täglich mit der Hymne der Easy Listening-Fachkraft John Schroeder beschallt: On The Ball...  (war sie denn nun drin, die verdammte Kugel?)
Alan Randall, leider im April 2005 verstorben, versuchte sich im Stil des legendären britischen Komikers George Formby, bekannt für seine Banjulele (eine Kreuzung aus Banjo & Ukulele). Als Coventry City-Supporter wird in diesem Football-Song sein Club als Einziger zweimal genannt, während sich Randall bemüht, alle 92 englischen Liga-Teams unterzubringen – wie viele hat er geschafft?
Ska-Godfather Laurel Aitken, ebenfalls gerade erst verstorben, wurde für das Chelsea-Team der Prä-Abramovic-Ära aktiv, was z.B. die Namen Vialli und Zola in seiner Uptempo-Version von „Montego Bay“ inklusive einiger fast teutonisch anmutender Anfeuerungen beweisen. Kick off!
Njall Helles Hommage an die Champions von Nottingham Forest führt uns vom Ska über Soul in Richtung Football-Disko – Rod Stewart-Style wohlgemerkt. Das „Do Ya Think I´m Sexy“ des ebenfalls fußballmusikalisch verhaltensauffälligen Schotten-Patrons wurde dabei ähnlich schamlos beklaut, wie Rod das anno´79 bei Jorge Ben versucht hat – nur gerecht.
Gefolgt von einem Stück ähnlich origineller Rock´n’ Roll–Fußball-Helden-Verehrung:  Frank “Koteletten-King” Worthington, mittlerweile Norwich City-Manager, aber zuzeiten noch bei Leicester City auf dem Feld beschäftigt. Kein anderer als Fußball-Song-Eminenz Monty zeichnet auch für die Elvis-nahe Lobpreisung Worthingtons durch die Joe Jordanaires (Wortspiel aus Elvis’ Backing Band, den Jordannaires, und Joe Jordan, einem Mitglied des Leeds United-Trainerstabs, inzwischen bei Portsmouth) verantwortlich.
Die Fulham Flurries gehen danach mit Lee Hazelwood’s Klassiker “These Boots Are Made For Walking” ähnlich sanft um, wie die sogenannten „Cottagers“ mit ihren Gegnern auf dem Platz.
Bekanntermaßen sind auch die englischen Fans generell nicht allzu zarte Gemüter: Niall „Big Man“ Quinn ließ sich einst von Fotografen unvorsichtigerweise in einer italienischen Disco mit übergrossen, abgeschnittenen Jeans erwischen, was den hier in eine Adam & the Ants-Tribute-Nummer überführten Gesang auf den Rängen zur Folge hatte, wo immer Quinn antrat.
Maßgebliche Teile von Van McCoy’s “Hustle” wurden bereits 1977 auf eine für Liverpooler Fans musikalisch unüblich geschickte Weise für den groovenden Football Hustle des Kop Unlimited Orchestra ausgeborgt, die B-Seite der Single „My Liverpool“. 
Der “Daydream Believer” der Monkees wird danach zum seligen Lobgesang auf den ehemaligen Manager von Sunderland, dem Spitzenreiter der zweiten englischen Division zu dieser Zeit. Cheer Up, Peter Reid!
Die Walliser Indierocker Barker weiterhin besingen einen namenlosen 70s Football Star – “eifriger als (Kevin) Keegan, besser als (George) Best.“ Könnte es sich dabei vielleicht um Robin Friday handeln, einen tragischen Fall, der, als er per Zug zur Unterschrift seines Vertrages bei Cardiff City fahren wollte, ohne Ticket erwischt wurde? 
Wir bleiben in Wales, wo der Rainbow Choir sich in Beach Boys Manier ganz sanft und exotica-like den Manchester United-Getreuen Ryan Giggs vorknöpft.
Fulham’s Les (& Paul) Barrett kommen dagegen gleich zur Sache und verlangen direkt nach Liebe – und woher kennt man nur diese eingängige 60s-Pop-Nummer?
Um Liebe bitten auch Her (und gewinnen die goldene Pflaume für den dämlichsten Gruppen-Namen) und zwar mit dem international bekannten, in die J-League abgewanderten Gary Lineker, sogar zweisprachig: Konnichi wa Gary.
Lineker als jetziger BBC-Moderator wäre als Spieler dauerpräsent gewesen in der seit 1971 wochentags ausgestrahlten „Sportsnight“-Show des Senders, deren Erkennungsmelodie von Tony Hatch stammt (wie “Downtown”, der Megahit für Petula Clark oder Material für Paul McCartney & seine Wings).
Die mysteriöse Lady Helen of Hampshire durfte nicht wie Sir Paul für ein Bond-Thema ran, verwertet aber munter Goldfinger-Ingredenzien und vergleicht ihren Schwarm, Southamptons „Saint“ Mick (Channon) mit dem Original-TV-„Saint“ Simon Templar, einem anderen britischen Top-Spion.
Leicester City-Fans haben normalerweise wenig Anlass für Jubelgesänge, aber die Bangers und ihre Bläser-Sektion teilen uns immerhin mit, dass, wenn sich niemand bewegt, auch niemand zu Schaden kommen wird – eine Taktik, die Leicester seit Jahren in die Praxis umsetzt.
Und diese Weisheit  könnte ebenfalls Anwendung finden im Umfeld des alten Gascoigne-Testikel-Quetschers Vinnie Jones und seiner umstrittenen Version von Sam the Shams reichlich abgenudeltem „Wooly Bully“. Manche sagen, dass dies Stück Musik als klassisches Beispiel dafür gelten kann, dass Fußballer niemals Platten aufnehmen sollten, während andere meinen, dass Vinnie Jones nur als Kult und generell eh unschuldig begriffen werden muss.
(„Vinnie Jones was innocent!“) Und wir wollen auf dieser völkerverbindenden Scheibe natürlich beiden Parteien Raum geben.
Das schon augenzwinkernd “offiziell” betitelte World Cup Theme von Colourbox ist vielleicht das beste Fußball-Instrumental, das gar nicht im direkten Zusammenhang mit dem runden Leder geschrieben wurde und dennoch den Weg in diverse Sport-Sendungen gefunden hat – Klasse setzt sich eben durch!
Unsere CD beschließt - nach einer kurzen Visite beim sympathischen Reporter-Fanatiker von Power FM - der leider ebenfalls bereits von uns gegangene Brian Clough. Er war der vielleicht beste Manager, den England nie hatte – und wurde musikalisch unterstützt vom Gutmenschen JJ Barrie, dem die Welt den kaum zu glaubenden Tränendrücker “No Charge” verdankt. Cloughie entlässt uns also mit seinem für alle Einsichtigen und Fussball-Weisen programmatischen Titel „It´s Only A Game“ („...it drives the population all insane“) – Keep that in mind, folks...

Trevor Wilson
www.fc45.com

Vorwort und Übersetzung: Stefan Rambow